Samstag, 2. Oktober 2010

"Magst du eigentlich Hitler?"

Von Nazigruessen und Hakenkreuztatoos.


Ein unschoener Teil deutscher Geschichte, der wohl so jeden Austauschschueler im Ausland irgendwann einholt. Das ist nur logisch, denn oft ist Hitler das Einzige, was man so mit Deutschland in Verbindung bringt.

In Deutschland setzt man in Gespraechen ueber dieses Thema immer vorraus, dass Hitler total schlecht und falsch war. Hier weiss das jedoch kaum jemand. Da will der katholische Pfarrer eine nette Geste machen, steht waehrend des Mittagessens mit meiner Gastfamilie auf, streckt schwungvoll seinen rechten Arm in die Luft und sagt „Heil Hitler!“. Oder man schaut sich im Computerraum der Schule erst Clips von lustigen Pannen an und dann ein Video von Deutschland aus der Nazizeit, ueberall Hakenkreuze, uniformierte Maenner tanzen mit pruede gekleideten, blauaeugigen Blondienen, Hitler, stolz und stark vor einer Menschenmenge sprechend. Ein weiteres Beispiel, vergangener Samstag: Gerade unterhalte ich mich noch mit einer Freundinn ueber Tatoos, wo was cool ist, wo nicht usw., und auf einmal kommt sie mit: „ja und auf meiner rechten Schulter faende ich ja auch ein Hakenkreuz cool.“ Das sind dann so Momente, in denen man erstmal ins Stocken kommt. Ich weiss, Livia meinte das nur nett, aber ich bin dann trotzdem erstmal ein paar Sekunden sprachlos. Ich erklaere dann immer, dass ich Hitler ueberhaupt nicht toll finde, und wieso. Letztens in Geschichte hab’ ich ein paar Fotos vom zerbombten Deutschland und Konzentrationslagern gezeigt, um das Bild von Hitler in den Koepfen der Schueler ein bisschen in die richtige Richtung zu schieben. Und sowieso, mein Geschichtslehrer war ausser sich vor Freunde, als ich mit der Idee ankam, und wenn mein Portugiesisch besser ist soll ich noch einen Vortrag ueber den zweiten Weltkrieg generell halten. Nunja, insgesamt ist das nicht so das gute Laune Thema, und irgendwie ist es komisch, immer damit identifiziert zu werden. Trotzdem hab’ ich kein Problem damit, darueber zu sprechen, und von den Dingen damals zu erzaehlen, ich denke das ist auch so ziemlich das Einzige was ich tun kann.

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