„Mach’ einfach was du willst. Du kannst mit uns Karten spielen oder auch schlafen. Ja, dem Lehrer ist das egal, der weiss, dass wir muede sind.“
Generell ist Schule in Brasilien viel entsprannter als in Deutschland. Man duzt die Lehrer und spricht sie mit Vornamen an. Ausserdem kannst du im Unterricht machen was du willst: dich unterhalten, schlafen, Karten spielen, lesen, twittern, mal kurz aufs Klo gehen oder ja – man kann auch aufpassen! Dennoch herrscht kein Chaos in der Klasse, und der Unterricht folgt einem relativ hohem Niveau. Ich war erst mal geschockt, da die im Stoff viel weiter sind als wir in Deutschland waren, wobei ich hier auch das besuche, was in Deutschland die 12 waere.
Ich habe hier noch nie einen Lehrer herumschreien hoeren, und eigentlich alle Lehrer sind lustig drauf und man hat ein freundschaftliches Verhaeltnis. Da wird der eine oder andere Lehrer schon mal zur Geburtstagsparty eines Schuelers eingeladen und man trinkt ein Bier zusammen. Trotzdem herrscht keine Respektlosigkeit den Lehrern gegenueber oder so.
Die Schule faengt hier um 7 Uhr morgens an und geht bis mittags um halb eins. Man hat taeglich 6 Stunden von je 50 Minuten und zwei Pausen, die eine 15 Minuten, die andere 10 Minuten. In den Pausen muss man aus den Raeumen heraus und kann was beim Kiosk kaufen, irgendwo sitzen/stehen und reden, Wasser trinken oder aufs Klo gehen.
Ich gehe auf eine fuer deutsche Verhaeltnisse ziemlich kleine Schule, ich habe zum Beispiel nur eine Parallelklasse und in manchen Stufen gibt es nur eine Klasse. Von der Groesse her aehneln die Klassen denen in Deutschland, wir sind 31 Schueler. Man bleibt hier den ganzen Tag ueber im selben Raum, nur die Lehrer waechseln. Es gibt hier auch keine Gruppentische, jeder hat seinen eigenen kleinen Tisch mit Stuhl, die stehen hintereinandergereiht, schoen ordentlich in der Klasse.
Generell kann man noch sagen, dass der brasilianische Unterricht sehr frontal und trocken ist. Also auf die Idee, sowas wie Experimente im Phsik-/Chemieunterricht zu machen wuerde hier keiner kommen, und auch sowas wie Diskussionsrunden oder Praesentationen hat man sehr, sehr selten.
In Brasilien gibt es keine Noten, es gibt Punkte von 0 bis 10, wobei 0 das Schlechteste und 10 das Beste ist. Also wenn ich hier stolz von meinem deutschen Notendurchschnitt von 1,4 erzaehle, werde ich erstmal schief angeguckt.
Die Schule und ich, tja, das ist im Moment noch eine etwas problematische Beziehung. Das Beste sind eindeutig die Pausen, da rede ich immer viel mit Leuten und es ist total lustig. Waehrend des Unterrichtes schaffe ich es immer so eine gute Stunde lang aufzupassen und dem Unterricht mit Hilfe eines Woerterbuches einigermassen zu folgen. Danach bin ich so muede und erschoepft, dass einfach nichts mehr GEHT, und ich entweder auf meinem Block herumkritzele, Sachen aufschreibe die ich spaeter eintippen kann (wie das hier zum Beispiel) mich unterhalte oder so vor mich hindoese. Ich gebe mir wirklich Muehe nicht einzuschlafen!! (klappt leider nicht immer)
Naja, sobald ich besser Portugiesisch spreche, wird das bestimmt alles viel einfacher, und dann kann ich es auch schaffen mich ein bisschen fuer den Unterricht zu interessieren.
Noch was generell zu Schulen hier in Brasilen: Privatschulen sind hier viel, viel weiter verbreitet als in Deutschland, und fast jeder, der spaeter mal studiert, hat vorher eine Privatschule besucht. Ich gehe auch auf eine, allerdings habe ich von der Schule ein Stipendium, d.h. meine Eltern muessen fuer mich nichts bezahlen, nur fuer meinen Bruder. Generell sind die Privatschulen besser als die staatlichen, allerdings sind die staatlichen Unis besser als die privaten. Das stellt in sofern ein Problem dar, dass das Vestibular (die Aufnahmepruefung) an den staatlichen Unis sehr hohe Anforderungen stellt. Wer nun vorher eine staatliche Schule besucht hat bewaeltigt diese Pruefung meistens nicht und kann sich oft ein Studium an einer Privatuni nicht leisten.
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